„Schau mal, wo Du wohnen wirst!“ So könnte das Motto des Spaziergangs lauten, den Christina Christoph an einem Aprilsamstag mit rund zehn Teilnehmern durch die Nordstadt unternahm. Christina ist Mitglied der Gewerbekultur „Alter Schlachthof“ und plant, dort auch zu wohnen, sobald die ersten Häuser bezugsfertig sind. Außer ihr gibt es noch zahlreiche weitere Wohn-Interessenten, allerdings sind viele von ihnen keine gebürtigen Pforzheimer so wie Christina „Sie wissen also gar nicht, wohin sie da ziehen wollen“, stellte sie fest. Und auch: „Das will ich ändern! Denn die Nordstadt hat viele schöne Ecken zu bieten, die selbst den Einheimischen oft nicht bekannt sind.“

Da die Pforzheimer Gewerbekultur von ehrenamtlicher Arbeit lebt, organisierte sie diesen Spaziergang auf eigene Faust. Und schon bald traf sich die erste Gruppe an einem Samstagmorgen, um zur Kiezexkursion aufzubrechen. „Die Route hat so manchen der Teilnehmer zum Staunen gebracht. Man muss nicht in die Ferne schweifen, man kann das Gute auch in der Nähe finden“, sagte Christina mit einem Lächeln.

Denn in diesem Stadtteil gibt es etwa den Baustil der Wilhelminischen Epoche, des 50er-Jahre-Wiederaufbaus und der Weimarer Republik zu entdecken. Paradebeispiel für letzteres ist die Wartbergsiedlung, die vor fünf Jahren 100-jähriges Bestehen feierte. Christinas Gruppe stellte beim Schlendern durch dieses Viertel fest, dass die Siedlung bis heute ihren Charme bewahrt hat. Angeregte diskutierten die Kiezentdecker, dass der „Schlachthof“ ebenfalls das Potential habe, das Stadtbild für die Zukunft nachhaltig zu prägen und als lebens- und liebenswerter Ort in 100 Jahren Jubiläum zu feiern.

Anschließend überzeugte man sich davon, wie malerisch sich der Wartberghof mit seinen Pferden in die Landschaft einfügt, bevor der Wasserturm auf dem höchsten Punkt des Quartiers angesteuert wurde, der zudem als Funkmast dient. Dabei passierten die Spaziergänger das Wartberg-Freibad. Einige von ihnen freuten sich bereits auf „ihren neuen Lieblingsort im Sommer“. Der Wartbergturm durfte bei der Besichtigung ebenfalls nicht fehlen. Christina berichtete, dass „er vermutlich im 14./15. Jahrhundert erbaut wurde und als Schutz vor überraschenden Angriffen diente“.

Nach eineinhalb Stunden kehrten die Spaziergänger zum Schlachthof zurück. Dort wartete schon eine üppig gedeckte Tafel auf sie, die im Rahmen der „Meet & Eat“-Veranstaltungen für Wohn-Interessenten an jedem ersten Samstag im Monat angeboten wird. Anhand der vielen spannenden Eindrücke, von denen sie berichteten, war die anfängliche Zurückhalten bei den neuen Gästen schnell gebrochen. Und bald kristallisierte sich heraus: „Christina ‚muss‘ demnächst wieder einen Quartier-Spaziergang organisieren!“ Eine Aufgabe, die sie auch gerne wieder nachkommen will.

Von Corina Wießler